Gemälde aus dem Weibertreu-Museum restituiert
07.05.2018

 

Gemälde „Weiber von Weinsberg“ aus dem Weibertreu-Museum der Stadt Weinsberg wurde restituiert

Im Rahmen einer Pressekonferenz am 7. Mai 2018 im Auktionshaus Neumeister in München stand ein Gemälde aus dem Weibertreu-Museum der Stadt Weinsberg im Blickpunkt. Es handelt sich dabei um das Gemälde „Weiber von Weinsberg“ des niederländischen Malers Gerritt Claesz Bleker aus dem Jahr 1624. Die Stadt Weinsberg hatte das Gemälde im Jahr 1968 von einer Privatperson für die Sammlung der Stadt erworben. Vor drei Jahren ging bei der Stadt ein Schreiben des New York State Departement of Financial Services ein, mit einer Restitutionsforderung für das Gemälde. Es wurde geltend gemacht, dass das Gemälde aus dem Besitz des Düsseldorfer Galeristen Max Stern stammt, dessen gesamter Bestand durch die Nationalsozialisten entzogen wurde. Außerdem wurde ihm damals die Ausübung seines Berufes untersagt und er emigrierte über Paris und London nach Kanada. Das in Montreal angesiedelte Max Stern Art Restitution Project, das von den drei institutionellen Erben, der McGill University und der Concordia University in Montreal sowie der Hebrew University in Jersualem, unterstützt wird, nahm die Spur der NS-verfolgungsbedingt entzogenen Werke auf. Eine Spur führte den Provenienzforscher des Stern-Projekts Dr. Willi Korte auch nach Weinsberg.

Für die Stadt Weinsberg war die Restitutionsforderung eine große Herausforderung, denn die komplexe Thematik war für das überschaubare Weibertreu-Museum völliges Neuland. Bei den Recherchen der Stadt Weinsberg hat die Staatsgalerie Stuttgart auf das Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste in Magdeburg verwiesen. Der dortige Fachbereichsleiter, Dr. Uwe Hartmann, hat die Stadt Weinsberg auf die „Washingtoner Prinzipien“ und die „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe von NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“ und die daraus resultierende Berechtigung der Restitutionsforderung in Form einer fairen und gerechten Lösung hingewiesen.

Die weiteren Verhandlungen mit der Stern Stiftung haben schließlich das einvernehmliche Ergebnis erzielt, dass die Stadt Weinsberg das Gemälde restituiert, aber gleichzeitig wieder von der Stern Stiftung zurück erwerben kann. In einer gemeinsamen Vereinbarung zwischen der Stadt Weinsberg und der Dr. Max und Iris Stern Foundation im Februar 2018 wurde dieses faire Verhandlungsergebnis festgehalten. Damit kann das Gemälde wieder seinen angestammten Platz im Weibertreu-Museum einnehmen.

Die Stadt Weinsberg schätze sich sehr glücklich, dass es nach langen Verhandlungen gelungen sei, dass das Gemälde von Bleker in Weinsberg verbleiben könne, so Professor Dr. Uwe Grobshäuser, der die Stadt Weinsberg bei der Veranstaltung in München zusammen mit Hauptamtsleiter Thomas Siegle vertrat. Anlässlich der Restitution des Gemäldes war in München eine illustre Runde zusammengekommen. Die Teilnehmer waren teilweise extra zu der Veranstaltung von weither angereist. Neben den Vertretern der Stadt Weinsberg waren bei der Pressekonferenz offizielle Gesandte der Botschaft von Kanada und der israelischen Botschaft sowie Vertreter des Max Stern Art Restitution Projects, der Kulturstiftung der Länder Berlin und der Ernst von Siemens Kunststiftung München anwesend. Das ZDF nahm die Pressekonferenz und die Statements der Beteiligten für das Fernsehen auf. Der Beitrag wird in der Sendung „Kulturzeit“ in 3Sat gesendet.

Dass die Stadt Weinsberg das Gemälde nach der Restitution wieder zurückkaufen konnte, ist in erster Linie der großzügigen finanziellen Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung und auf örtlicher Ebene der Kunststiftung der Kreissparkasse Heilbronn, der Stiftung Würth, der Firma Vollert Anlagenbau GmbH und der Firma Fibro GmbH zu verdanken.

Dem Weibertreu-Museum der Stadt Weinsberg und der Region Heilbronn bleibt somit ein für Weinsberg kulturhistorisch äußerst bedeutendes Gemälde erhalten.

Die Stadt Weinsberg bedankt sich ausdrücklich bei allen beteiligten Personen und Institutionen für die hilfreiche Unterstützung beim Zustandekommen der fairen Lösung, die sowohl den Erben von Dr. Max Stern als auch den Interessen der Stadt Weinsberg, die völlig unverschuldet in diese Situation gekommen ist, gerecht wird.

 

 

 

 


 
 
 

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