Geschichte der Alten Linde

Geschichte der Alten Linde

Als Folge der Bluttat wurde Weinsberg nur noch ein „niederes Gericht“ zugestanden. Die Abhaltung dieses Gerichts musste zu jeder Jahreszeit am Platz der Tat im Freien stattfinden. Der heutige Lindenplatz geht also ursprünglich auf einen Gerichtsplatz und eine dort gepflanzte sog. Gerichtslinde zurück. In Weinsberg ist diese Linde als „Alte Linde“ bekannt.

Wann genau die Weinsberger Linde gepflanzt wurde (ob direkt im Jahr 1525 oder später) ist unklar. Die Äste der Linde wurden ursprünglich wohl durch Holzpfosten gestützt, die später nach und nach durch Steinsäulen ersetzt wurden. Die ältesten, datierten Steinsäulen stammten aus den Jahren 1738 und 1744, die jüngsten Säulen von 1791. Im Jahr 1809 sollen die Säulen durch französische Soldaten, die ihre Pferde daran angebunden hatten, umgestürzt und im Jahr 1813 wieder errichtet worden sein.

Die Linde starb in den 1920er-Jahren ab. Übrig blieben die Säulen, auf denen einst ihre Äste ruhten, und die Ummauerung des Lindenstamms.

Stumpf der Alten Linde

 

Als Ersatz wurde in den 1930er-Jahren eine junge Linde gepflanzt und eine Tafel mit folgender Inschrift aufgestellt: „Historische Linde, Schauplatz der Erspießung der Ritter durch die Bauern (Ostern 1525). Die Säulen im Kreis waren Unterstützungen der Lindenäste.“

Säulenkranz mit neu gepflanzter Linde, 1930er-Jahre


1933 waren einzelne Säulen noch recht gut erhalten, andere bereits geborsten oder ihr Schmuck verwittert. In den Jahren 1939 - 1943 wurden die Säulen restauriert und nach der Instandsetzung in der Badstubenkelter gelagert, um sie vor Kriegsschäden zu schützen. Beim Angriff auf Weinsberg im April 1945 wurden sie zusammen mit der Kelter zerstört.

Die Steinsäulen wurden von Gerichts- und anderen Amtspersonen gestiftet. Sie verewigten sich mit Inschriften auf den Säulen und schmückten diese zusätzlich mit ihren Wappen oder anderen Zeichen.


Detailansicht einer Säule